7x7finticker: Wochenrückblick 27.11.-01.12.2017

1 Dezember 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

7x7finticker: der Wochenrückblick 27. November – 1. Dezember 2017 / präsentiert von der 7x7finanz

Leitgedanke

Geld ist wie Dünger; es ist nichts wert,
bis es überall auf ermutigende Dinge verteilt wird, um zu wachsen.

(Thornton Wilder, Schriftsteller)

 

Thema der Woche: Nachhaltig Geld anlegen

Rund 40 Prozent der Deutschen würden ihr Geld gern sozial und ökologisch nachhaltig investieren, wie das Marktforschungsinstitut GfK unlängst ermittelte. Allerdings haben bislang nur 4,8 Prozent auch tatsächlich solche Produkte gewählt. Also nur theoretisch gut gemeinte Absichten? Weit gefehlt – denn selbst Experten sind nur mit großen Mühen in der Lage, den Markt der nachhaltigen Geldanlagen zu überblicken. Wir versuchen in unserem Wochenrückblick ein paar Einblicke in das Thema.

7x7finticker27. November: „Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters“

BAD WÖRISHOFEN – „Bis in die 1990er-Jahre hinein ließ sich die Frage, was eine nachhaltige Geldanlage ist, ganz einfach beantworten. Wer sein Geld mit gutem Gewissen anlegen wollte, investierte in Windkraft und Solaranlagen.“ So beginnt Sabine Hildebrandt-Woeckel ihren Artikel in der Deutschen Handwerkszeitung.

Tatsächlich wurden in erster Linie Investitionen in umweltschonende Technik unter nachhaltigen Anlagestrategien eingeordnet. Einzelunternehmen gingen an die Börse, Fonds wurden aufgelegt und lockten mit steuerlichen Vergünstigungen. Doch heute zeichneten Experten ein differenzierteres Bild der Sachlage. Schließlich gingen inzwischen einige der bekannten grünen Starunternehmen pleite, und vor allem ist das Angebot an „nachhaltigen“ Finanzprodukten dramatisch gewachsen. Laut einer Erhebung der Global Sustainable Investment Alliance habe sich allein in den vergangenen zehn Jahren das Volumen nachhaltiger Geldanlagen weltweit auf 23 Billionen Dollar versechsfacht. Weltweit einheitliche Maßstäbe zu entwickeln, sei auch schwierig; so zitiert Hildebrandt-Woeckel Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar,  der betont, dass „neben individuellen Wertevorstellungen auch kulturelle Unterschiede“ eine Rolle spielten. So seien Waffenhersteller in den USA keineswegs so verpönt wie in Deutschland und Kernkraft gelte in Frankeich als nachhaltig. Weiter heißt es im Artikel: „Wenn man dann noch bedenkt, dass die Herstellung von Solarzellen nicht per se den Einsatz von Kinderarbeit ausschließt, wird das ganze Dilemma deutlich. Schon die Beurteilung von Einzelunternehmen ist vielschichtig, bei Fonds wird es schnell unübersichtlich.“ Alleine in Europa gebe es rund 1.600 Fonds, die sich selbst als nachhaltig einstuften, jedoch schwer miteinander zu vergleichen seien.

Dennoch seien inzwischen allgemeinverbindliche Nachhaltigkeitskriterien für Konzerne entwickelt worden wie etwa die ESG, also Environment (Umwelt), Social (soziales Engagement) und Governance (Unternehmensführung). Als positiv bewertet die Autorin hierbei: „Unternehmen, die unter ESG-Kriterien hoch eingestuft werden, arbeiten in der Regel solider und unterliegen weniger Schwankungen als andere. Das Investment unter ESG-Gesichtspunkten zu betrachten, kann also auch etwas über die mögliche Rendite aussagen.“ Aber es gebe auch Zweifel, denn „allein die Tasche, dass Fondsgesellschaften bei der Auswahl ihrer Investitionen ESG-Kriterien anwenden, sagt noch nicht, wie nachhaltig ein Fonds tatsächlich ist.“ Ein weiterer Parameter sei das sogenannte Best-in-Class-Verfahren: Investitionen in die Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche am nachhaltigsten arbeiten. „Was potentielle Anleger hierbei aber wissen müssen: Waffen oder Atomkraft sind bei diesem Vorgehen also keineswegs tabu, die Konzerne müssen nur nachhaltiger arbeiten als die Konkurrenz.“ Schließlich gebe es auch noch eine dritte Methode, die beide Verfahren kombiniert: „Erst werden bestimmte Bereiche ausgeschlossen, beispielsweise die Spekulation mit Nahrungsmitteln, und dann werden die jeweils Besten der Branche rausgesucht.“ Dieses Prinzip habe sich vom Grundsatz her auch die GNG auf ihre Fahnen geschrieben. Das vor zwei Jahren vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) entwickelte Verfahren habe das Ziel, Licht in den Nachhaltigkeitsdschungel zu bringen, indem es einzelne Angebote vergleichbar mache. In der Fachwelt gelte das FNG-Siegel zwar als seriöses Bewertungssystem; als alleiniges Qualitätskriterium für Anleger tauge es aber dennoch – zumindest heute noch – nicht, meint die Autorin. Denn die Teilnahme am Audit sei freiwillig und mit Kosten verbunden. Fonds, die kein Siegel tragen, können also durchaus vergleichbar nachhaltig arbeiten. Letztlich sei das wichtigste Kriterium bei der Auswahl einer Anlage die eigene Einstellung und Anspruchshaltung, wie Ali Masarwah es ausdrückt: „Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters.“

Quelle: deutsche-handwerks-zeitung.de / Autorin: Sabine Hildebrandt-Woeckel

 

28. November: Genauer hinschauen bei angeblich nachhaltigen Fonds 

ZÜRICH (CH) – Bei nachhaltigen Fonds „schneiden einige sogar schlechter ab als manch konventionelles Pendant“, meint Michael Schäfer in der Neuen Zürcher Zeitung und fühlt der Branche auf den Zahn. Das Vorurteil, Nachhaltigkeit ginge auf Kosten der Performance, sei inzwischen durch etliche wissenschaftliche Studien widerlegt worden, die zeigen, dass solche Anlagen im Schnitt mindestens so gut wie ihre konventionellen Pendants abschneiden. Weniger bekannt sei jedoch, wie nachhaltig die als solche deklarierten Anlagen tatsächlich investiert sind. Schäfer fragt: „Schneiden sie in dieser Hinsicht denn auch deutlich besser ab als die Fonds, die kein besonderes Augenmerk auf diesen Aspekt legen?“

Die Beschreibungen der Anbieter zu den Fonds seien hier in der Regel kaum aufschlussreich. Interessierte Anleger könnten nicht herauslesen, welche der Nachhaltigkeitsaspekte Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance, kurz ESG) in welcher Form in den Auswahlprozess einflössen. Wer mehr erfahren wolle, müsse häufig beträchtlichen Aufwand betreiben.

Auch Qualitätssiegel wie das des Forums Nachhaltige Geldanlagen hülfen nur bedingt weiter. Zwar basiere das Siegel auf einer rigorosen, gut nachvollziehbaren Methodik und erlaube durch die Vergabe von ein bis drei Sternen einen schnellen Überblick. Jedoch hätten sich bisher nur wenige Asset-Manager entschieden, ihre Fonds der Prüfung zu unterziehen. Derzeit seien nur knapp 40 Fonds, die im deutschsprachigen Raum vertrieben werden, mit einem FNG-Siegel ausgezeichnet. Fazit Schäfer: „Zum überwiegenden Teil des Fondsuniversums lässt sich somit keine Aussage treffen, da der Umkehrschluss ‚kein Siegel, also schlechte Qualität‘ nicht zulässig ist.“ Wer zu einem spezifischen Fonds wissen wolle, ob bzw. welche nachhaltigen Kriterien er beachtet, könne dies auf den Seiten yourSRI.com (teilweise kostenpflichtig) oder nachhaltiges-investment.org erfahren. Umgekehrt ließen sich dort auch Fonds anhand gewisser Kriterien herausfiltern.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung / Autor: Michael Schäfer

 

29. November: Wird Impact Investing bald Mainstream?

ZÜRICH (CH) – Attraktive Renditen und eine positive Investitionswirkung schlössen sich nicht aus, dem Durchbruch von Impact Investments stünden aber einige Hürden im Weg, meint Frank Heiniger in seinem Artikel in der schweizerischen „Finanz und Wirtschaft“.

Impact Investing habe in den letzten Jahren einen wahren Boom erfahren. Immer mehr Anleger verfolgten das Ziel, attraktive Renditen mit einer positiven Wirkung ihrer Investments verbinden zu wollen. Tatsächlich seien die Volumen deutlich im Steigen begriffen. Bis Impact Investing jedoch eine bedeutende Rolle in den Portfolios institutioneller und privater ­Anleger spiele, müssten noch diverse Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Die Herausforderungen begännen bereits beim Begriff, meint Heiniger und zitiert John McKinley, Spezialist für Impact Investing bei Vermögensverwalter BlackRock: „Viele Schlagwörter sind in der Branche weit verbreitet, aber schlecht definiert“. Nur mit einer klaren Abgrenzung könne verhindert werden, dass es zu einer Verwässerung der Grundidee kommt. Grundsätzlich liege das zentrale Unterscheidungsmerkmal zum «normalen» Investieren in dem Bestreben, nicht nur eine Rendite zu erzielen, sondern zugleich einen Zusatznutzen zu stiften. Damit gehe ­Impact Investments deutlich weiter als herkömmliche nachhaltige Anlagen.

Quelle:  finanz und wirtschaft (CH) / Autor: Frank Heiniger

 

30. November: „Geld bewegt“ – die neue Internetseite für nachhaltig orientierte Anleger

BREMEN – geld-bewegt.de heißt ein neues Internet-Portal zum Thema ethisch-ökologische Geldanlagen. Verbraucherinnen und Verbraucher finden dort auf einen Blick Informationen zur gesamten Bandbreite von nachhaltigen Finanzprodukten. Betreiber der Seite ist das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ der Verbraucherzentrale Bremen.

Ulrike Brendel, Leiterin des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ bei der Verbraucherzentrale Bremen, erklärt dazu: „Wir möchten Anlegerinnen und Anlegern aufzeigen, dass sie selbst mit ihrem Geld etwas bewegen können. So bringt das Ersparte nicht nur Rendite, sondern unterstützt gleichzeitig den Klimaschutz oder die Einhaltung von Menschenrechten. Es gibt mittlerweile in vielen Anlagebereichen ethisch-ökologische Alternativen.“ Auf www.geld-bewegt.de werden die wichtigsten Aspekte bei ethisch-ökologischen Finanzprodukten behandelt. Darüber hinaus finden die Besucher Informationen zu Informationen zu Girokonten, Sparanlagen, Investmentfonds und Direktinvestments sowie Altersvorsorge. Und sie können in verschiedenen Kategorien Anbieter und Produkte in Bezug auf Konditionen und Nachhaltigkeitsstandards vergleichen.

Außerdem bietet die Internetseite Informationen zu Investmentfonds, riskanten Umweltinvestments und Altersvorsorgeprodukten. So hat die Verbraucherzentrale Bremen mit der Stiftung Warentest vor kurzem eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit bei Riester-Produkten veröffentlicht. Außerdem sind auf dem Portal aktuelle Nachrichten und Veranstaltungshinweise rund um ethisch-ökologische Geldanlagen zu finden sowie ein sehr gründliches und nützliches Finanzglossar. Bei dem bundesweiten Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ kooperiert die Verbraucherzentrale Bremen mit den Verbraucherzentralen Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein.

Quelle: geld-bewegt.de

 

1. Dezember: Futter bei die Fische – Aquaponik sucht Investoren

ISSUM – In Issum am Niederrhein wird nicht nur köstliches Altbier gebraut, dort wird auch im Gewächshaus eine neue Kombination aus Aquakultur und Hydroponik namens Aquaponik entwickelt. In einem geschlossenen Kreislauf dienen Fische als Nährstoff-Produzenten, während Pflanzen in erdloser Kultur von den Abfallstoffen der Fischkultur leben. Derselbe Ablauf lasse sich auch in Binnengewässern beobachten – bekannt als „Stickstoffkreislauf“. Im Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft bilde Aquaponik den kompletten Biokreislauf ab. „Der Anbau kommt dabei ohne synthetischen Dünger, Herbizide oder Antibiotika aus. Die Kultur bleibt geschützt und draußen ist Platz für ungestörte Artenvielfalt“, heißt es im Pressetext der Issumer aquaponik manufaktur GmbH (APM). Deren Anlagen „imitieren die Prozesse der Natur und optimieren sie für hohe Erträge und beste Qualität“. Es sei ein einzigartiges und innovatives Anlagenkonzept, das viele positive Eigenschaften vereine. Für 2018 ist der Bau einer Forschungs- und Schauanlage geplant, in der die innovativen Anlagenmodule getestet und vorgeführt werden können. Danach sollen Bau und Verkauf von Großanlagen beginnen. Für die Finanzierung der Investitionen, den Betrieb der Anlage und flankierende Marketing-Maßnahmen beim Markteintritt sucht die aquaponik manufaktur GmbH Investoren und Partner. Kontaktaufnahme unter investoren@aquaponik-manufaktur.de.

Quelle: wallstreet-online.de (Original: news aktuell)

Anmerkung: Auch 7×7 plant, in Aquaponic-Projekte zu investieren, im Rahmen des Investment-Feldes „Land- und Forstwirtschaft“. Mehr dazu in der Broschüre „7×7 = Sinn + Zinsen“ auf Seite 11.

 

FAZIT:

Bei allem, was man tut, das Ende zu bedenken, das ist Nachhaltigkeit.

Eric Schweitzer (*1965), ALBA-Chef

 

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen die 7x7finticker-Redaktion!

 

Artikelstichwörter:
Schwerpunktthemen: Aktuelles, Medienberichte, Nachhaltigkeit/Öko-Invest, Wochenrückblick

Kommentar hinterlassen

Kommentar hier hinterlassen, Trackback auf Ihrer Seite einfügen oder Kommentare als RSS abonnieren.

Um zu Ihrem Kommentar automatisch ein Bild einzufügen registrieren Sie sich bei Gravatar.