7x7finticker: der Wochenrückblick 30.10. – 3.11.

3 November 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

7x7finticker: der Wochenrückblick 30. Oktober – 3. November 2017 / präsentiert von der 7x7finanz

Leitgedanke

„Zinsspanne: jene feine Differenz, die Bankiers zu allen Zeiten ein sorgenfreies Leben garantierte.“

Ron Kritzfeld*

 

Thema der Woche: Was ist bloß mit dem Zins los?

Der Weltspartag ist auch nicht mehr das was er mal war, und die Zinsen sind es ebenfalls nicht mehr – falls sie es je wieder werden. Von keinen Zinsen und ihren Auswirkungen handelt unser Wochenrückblick. Mögliche Alternativen inklusive.

 

7x7finticker30. Oktober: Frust am Weltspartag – nix mit Zinsen

MÜNCHEN – Der diesjährige Weltspartag macht Anlegern wenig Freude: Aufs Sparbuch gibt’s schon lange keine Zinsen mehr und das gilt auch für die meisten Tagesgeldkonten. Ordentliche Zinsen gibt es nur im EU-Ausland – lautet das Fazit von Markus Voss auf focus.de. In seiner Elegie auf deutsche Sparzinsen geizt er nicht mit aktuellen ernüchternden Fakten: „375 Banken in Deutschland zahlen keine Zinsen mehr, wie eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox vor wenigen Wochen ergab (Stand 21. September 2017).“ Alternativen seien hierzulande Mangelware. Selbst beim Festgeld müssten die Anleger schon eine Laufzeit von 10 Jahren akzeptieren, um auf einen Zins von zwei Prozent zu kommen. „Zu riskant, falls die Inflation wieder anziehen sollte“, findet Voss. Aber er sieht einen Weg, mit dem sich wenigstens die Hälfte der Inflation ausgleichen ließe: das Geld zu einem ausländischen Institut tragen. Sogar Verbraucherschützer rieten mittlerweile dazu – sofern das Heimatland der Bank der europäischen Einlagensicherung angehöre. Dann garantiert der jeweilige EU-Staat Einlagen bis zu einer Grenze von 100.000 Euro. Eines müssten Anleger jedoch wissen: „Kommt es im Ernstfall doch zu einer Bankenpleite im Ausland, ist das Geld zwar garantiert. Der Ablauf des Rückzahlungsprozesses kann sich aber hinziehen. Und in dieser Zeit gibt es – wie zu Hause – gar keine Zinsen.“

Quelle: focus.de / Autor: Markus Voss

 

31. Oktober: Weltspartag – same procedure as every year?

BONN – Alle Jahre wieder … nimmt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) den Weltspartag am 31. Oktober zum Anlass, den deutschen Sparern den Puls zu fühlen. Die diesjährigen Ergebnisse wurden im Vermögensbarometer „Die Deutschen und ihr Geld“ zusammengefasst und auf der Pressekonferenz des DSGV am 24. Oktober 2017 vorgestellt. Mit einem doppelten Fazit: Die Deutschen sparen nicht mehr – sie sollten mehr sparen! 7x7finanz stellt in seinem Blogbeitrag zwei Diagnosen und gibt zwei Therapievorschläge für den Patienten Sparer.

Quelle: 7x7finanz.de

 

1. November: Nur 6 Prozent der Sparer sind Zinsen wichtig

BERLIN „Sparer verhalten sich nicht ökonomisch rational“ lautet das Urteil von Autorin Linda Standhardt in einem Beitrag auf der Seite des Deutsch2.en Instituts für Altersvorsorge. Sie unterfüttert ihre These mit Daten aus einer aktuellen Kantar Emnid-Umfrage, die von der Postbank in Auftrag gegeben wurde. Diese widmet sich den Motiven der Deutschen, (weiterhin) so beherzt zu sparen. Erstaunlich dabei ist vor allem ein Ergebnis: „Lediglich sechs Prozent der Befragten möchten ihr Erspartes durch Zinsen und Kapitalerträge vergrößern. Deutlich häufiger als der Ertrag werden als Motive Gewohnheit und Gefühle genannt.“

Das gute Gefühl, Geld beiseite zu legen, werde vor allem von älteren Sparern jenseits der 60 geschätzt. Somit sei es nicht verwunderlich, dass jeder Dritte (33 %) dieser Altersklasse Wohlgefühl als Grund für seine Sparneigung nennt. Fast die Hälfte (45 %) der Befragten deponiere ihr Geld auf dem Girokonto, jeder fünfte Sparer (21 %) bewahre es zuhause auf. Laut Schätzung der Postbank verzichten die Deutschen auf diese Weise jedes Jahr auf Erträge von 20 bis 30 Milliarden Euro. Dennoch gebe es – so Standhart – eine positive Erkenntnis: „Aktuell berücksichtigen 24 Prozent der Befragten sowohl die niedrigen Anlagezinsen wie auch die steigende Inflationsrate und investieren in Aktien und Fonds.“

Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge / Autorin: Linda Standhardt

 

2. November: Auf dem Sparbuch verdoppelt sich das Geld erst nach 135 Jahren

BERLIN – Die USA heben langsam die Zinsen an, Großbritannien hat erst vor einer Woche die Leitzinsen erhöht. Nur im Euroraum geschieht dies nicht. Und das geht auf Kosten der Sparer, findet Carla Neuhaus im Tagesspiegel. Die Sparer seien bescheiden geworden – notgedrungen. Denn sie bekommen keine Zinsen mehr: „Und was passiert derweil im Euro-Raum? Nichts. Für die Sparernation Deutschland ist das bitter.“ Und wird sich kurzfristig nicht ändern: „Frühestens 2019 dürften die Zinsen hierzulande steigen, heißt es, und dann auch nur langsam.“

Der deutsche Staat – so Neuhaus – sei der größte Profiteur der derzeitigen Geldpolitik: „Er kann sich so günstig Geld leihen wie nie. Da könnte man locker einen Teil dieser Ersparnis an den Sparer weitergeben. Möglichkeiten dafür gibt es. Die Politik könnte etwa das Gesetz für vermögenswirksame Leistungen nachbessern.“ Die Politik müsse aber auch etwas für die Finanzbildung tun. Denn erst kürzlich habe eine Studie gezeigt, dass das Wissen über Geldanlagen in kaum einem EU-Land so schlecht ausgeprägt ist wie in Deutschland. Zumindest solle keiner aus reiner Unwissenheit sein Geld auf dem Sparbuch liegen lassen: „Denn bis es sich da verdoppelt, dauert es derzeit 135 Jahre.“

Quelle: tagesspiegel.de, Autorin: Carla Neuhaus

 

3. November: 1.600 von 2.000 europäischen Kleinbanken befinden sich in Deutschland

PASSAU / DEGGENDORF Die Passauer Neue Presse berichtet über eine Veranstaltung mit Stefan Swihota, dem designierten Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Deggendorf. Er sprach über Zinspolitik und Bankenkrise. „Wenig überraschend: Seit es fürs Geld auf dem Sparbuch keine Zinsen mehr gibt, wird weniger gespart“, vermeldet die PNP. Ein interessantes Faktum lieferte der Banker zum Thema kleine und große Banken: „Bei uns sind die regionalen Kreditinstitute selbstverständlich, in Europa aber sind wir Exoten. Von 2000 kleinen Banken europaweit arbeiten 1600 in Deutschland.“

Während der Krise seien die Großbanken vorsichtig geworden, das Geld wurde knapp und sie hätten deshalb allein in Deutschland 635 Milliarden weniger an Krediten ausgegeben. Allein den Sparkassen, Genossenschaftsbanken und den Bausparkassen sei es laut Swihota zu verdanken, dass die privaten und kommerziellen Investoren nicht „verhungerten“. Die kleinen Geldinstitute hätten nämlich im selben Zeitraum 710 Milliarden Euro mehr an Krediten ausgegeben. Das alte Geschäftsmodell, wonach man der Hausbank sein Erspartes anvertraut und dafür Zinsen bekommt, sei derzeit ins Gegenteil verkehrt. Die Banken zahlten Negativzinsen für hohe Summen, die sie aber vorhalten müssten. Die kleinen Geldinstitute versuchten, diese Belastung über Gebühren aufzufangen.

Quelle: Passauer Neue Presse

FAZIT:

„Niedriger Guthabenzins ist Ausbeutung der Faulen.“

Erhard Blanck (*1942), deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler

 

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen die 7x7finticker-Redaktion!

*Ron Kritzfeld ist das Pseudonym von Fritz Kornfeld, einem 1921 in Ostpreußen geborenem Chemiker, der mehrere Bücher mit Schüttelreimen und Aphorismen veröffentlichte.

Artikelstichwörter:
Schwerpunktthemen: Aktuelles, Medienberichte, Verbraucherthemen, Wochenrückblick

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