Weltspartag 2017: same procedure as every year?

31 Oktober 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Alle Jahre wieder … nimmt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) den Weltspartag am 31. Oktober zum Anlass, den deutschen Sparern den Puls zu fühlen. Die diesjährigen Ergebnisse wurden im Vermögensbarometer „Die Deutschen und ihr Geld“ zusammengefasst und auf der Pressekonferenz des DSGV am 24. Oktober 2017 vorgestellt. Mit einem doppelten Fazit: Die Deutschen sparen nicht mehr – sie sollten mehr sparen!

7x7 Fairzinsung zum Weltspartag 2015Diagnose 1: Patient lebt noch, hält sich aber nicht an die Empfehlungen der Ärzte

In seinem Beitrag zur Vorstellung des Vermögensbarometers stellt Theo Geers im Deutschlandfunk die Befindlichkeit des deutschen Sparers (die weibliche Form sparen wir uns nur aus Gründen der Lesefreundlichkeit!) auf den Prüfstand. Er kommt zu folgenden Ergebnissen: „Viele Deutsche – fast 40 Prozent – haben in puncto Sparen aber auch resigniert – vor allem wegen der niedrigen Zinsen – und die bereiten mehr als der Hälfte der Deutschen die größten Kopfschmerzen beim Sparen. Jeder spürt, dass fehlende Zinseszinseffekte den Vermögensaufbau enorm erschweren.“ Die Alternative zum klassischen Sparbuch oder Festgeldkonto wären Kapitalanlagen und Wertpapiere – mit mehr Zinsen, aber auch mehr Risiko. Und da liegt der Haken, wie der zweite Teil der Diagnose zeigt, der die Realität wiederspiegelt: „Sicherheit bei der Geldanlage geht vor, Rendite ist nachrangig.“

Diagnose 2: Die Ärzte wissen auch nicht weiter außer „weiter so“

Was also tun die Sparkassen, um am Weltspartag die Vorzüge des (fast) zinslosen Sparens anzupreisen? Zunächst mal stellen Sie die Vorsorge und das Sparen dem gewissen- und hemmungslosen Sofortkonsum gegenüber: Sparen vs. Schuldenmachen. Es folgen hier einige Zitate aus sparkonto.org zum Weltspartag 2017: „… im Rahmen des Weltspartages und in dessen Sinne gibt es grundsätzlich und unabhängig vom Zinsertrag positive Aspekte, die leider in unserer Zeit in Vergessenheit geraten.“ Früher machte Sparen glücklich: „Es gab eine Moral beim Umgang mit Geld. Vor diesem Hintergrund machte das Sparen Sinn.“ Aber heute leben alle hemmungslos auf Pump: „Soziales Geltungsbedürfnis, das sich Definieren über materielle Werte, führt in unserer Zeit dazu, dass kaum mehr gespart wird. Autos, Häuser, Technik, Möbel – alles wir finanziert. Wünsche erfüllt man sich sofort und in Übermaß.“ Und natürlich gibt es dafür auch die schlechten Vorbilder: „Politik und Wirtschaft machen es vor und haben dazu geführt, dass die Zahlungsmoral gerade bei jungen Leuten immer mehr verkommt.“ Aber was tun nun die Sparkassen konkret am Weltspartag, um daran etwas zu ändern? (Schließlich fällt der Reformationstag auf denselben Termin!)

Spendensammeln, Plüschtiere und Konsumgutscheine

Duftender Kaffee, selbstgebackener Kuchen und Sekt – das hat bei der Sparkasse Kraichgau am Weltspartag Tradition. Wie landfunker.de berichtet, soll man im Café Sparkasse „ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl spüren“, dazu soll insbesondere die diesjährige Weltspartagsaktion beitragen: „Die Mitarbeiter der Sparkasse Kraichgau sollen gemeinsam mit den Kunden wieder an einem Strang ziehen und Spenden sammeln, die Vereinen und sozialen Einrichtungen in der Region zu Gute kommen.“ Darüber hinaus dürfen sich „alle kleinen Besucher, die bis zum 27. Oktober mit ihren gefüllten Sparschweinen in die Filialen kommen“, zur Belohnung ein Geschenk auswählen: Plüsch-Schildkröte Eddi, einen Softball oder einen LED-Schnürsenkel. „Denn auch Kinder haben Wünsche und sollen möglichst früh erkennen, dass sie sich durch Sparen ihre Träume erfüllen können.“ Bei der Stadtsparkasse München kommen auch die Erwachsenen auf ihre Kosten: „Unser Angebot zum Weltspartag: Am 30.10.2017 Girokonto eröffnen und 30 Euro paydirekt-Gutschein für Media Markt erhalten.“ Das sind also die Antworten der Sparkassen auf die besinnungslose Konsumorgie der Nicht-sparen-wollenden? Wir hätten dazu noch zwei alternative Therapievorschläge.

Therapievorschlag 1: Realität anerkennen

Im Deutschlandfunk heißt es: „23 Prozent der Deutschen leben ohne Vorsorge, bei den Einkommen unter 1.000 Euro im Monat sind es sogar 47 Prozent: Viele Deutsche haben in puncto Sparen resigniert. Die Folgen für gesellschaftlichen Zusammenhang könnten gravierend sein, warnen Kritiker.“ (…) Breite Schichten der Bevölkerung hätten keinerlei Chance auf Vermögensaufbau. Nur noch 28 Prozent der Deutschen nutzten Vermögenswirksame Leistungen. Um das zu ändern, fordern die Sparkassen, die Förderung vermögenswirksamer Leistungen auszubauen: „Die künftige Bundesregierung ist gefragt, einen Teil der Haushaltüberschüsse für die Sparerförderung einzusetzen. Der Bund profitiert von der anhaltenden Niedrigzinspolitik und es wäre angemessen, einen Teil davon den niedrigeren Einkommensklassen zur Vermögensbildung zugutekommen zu lassen“, sagte DSGV-Präsident Fahrenschon am 24.10. an die Adresse der künftigen Koalitionspartner im Bund. Einen Tag später schlug die Realität zu: CDU, CSU, FDP und Grüne seien fest entschlossen, auch künftig einen ausgeglichenen Haushalt einzuhalten und keine neuen Schulden zu machen, meldete dpa am 25.10.

Therapievorschlag 2: nicht auf bessere Zeiten warten, sondern selbst handeln

Weitermachen wie bisher, bunte Giveaways an frustierte Sparer ausgeben und ansonsten Forderungen an die Politik stellen – sehen so alternative Wege aus der Niedrigzinsmisere aus? „Wer heutzutage für seine Geldanlage eine attraktive Rendite erhalten möchte, kommt (…) an Investmentprodukten nicht mehr vorbei“, sagt Erol Cen, Investment-Experte bei ERGO gegenüber der Nordhessen-Rundschau. Die führt in ihren „Tipps zum Weltspartag“ weiter aus: „Investmentprodukte sind Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt. Dabei denken die meisten an Aktien. Doch auch Anleihen, Geldmarktpapiere oder alternative Anlageklassen (…) lassen sich am Kapitalmarkt handeln.“

Zwar setzt Erol Cen auf die gerade in Mode gekommenen Fondssparpläne; doch die haben meist einen Nachteil: ein nachhaltig orientierter Anleger wird in einem Mischfonds die Katze im Sack kaufen, das heißt: hier fehlt es an Transparenz. Eine echte Alternative zum Fondssparplan wäre deshalb die mittel- oder langfristige Investition in Form einer nachhaltigen Geldanlage, sei es eine Anleihe mit Erneuerbaren-Energien-Projekten wie Solarparks, eine Umweltanleihe mit Immobilien oder eine KG-Beteiligung mit Solarprojekten. Die zahlt sich dann doppelt aus: mit attraktiven Zinsen und für die Zukunft der nächsten Generation.

Interessenten an solchen Alternativen können sich bei den Fachberatern für Nachhaltiges Investment der 7x7finanz GmbH beraten lassen.

Unser Tipp zum Weltspartag: Sparen Sie an allem, nur nicht an der falschen Stelle!

Bild: copyright shutterstock_Singkham

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Schwerpunktthemen: Aktuelles, Verbraucherthemen, Vorsorge

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