7x7finticker: der Wochenrückblick 31.07. – 04.08.

4 August 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der Wochenrückblick 31. Juli – 4. August 2017 – präsentiert von der 7x7finanz

Themen der Woche: Bargeld und Beratungsroboter

„Soll das Bargeld abgeschafft werden?“, „Können Roboter Vermittler ersetzen?“: Zwei Fragen, die sowohl die Finanzbranche als auch die Verbraucher zunehmend beschäftigen. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander, wie der heutige Wochenrückblick zeigt.

Leitgedanke:

„In Kontinentaleuropa kenne ich niemanden, der die Absicht hat, Bargeld abzuschaffen.“

(Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Mai 2016)

7x7finticker31. Juli: Banken wollen Bargeld nicht zurückdrängen

BERLIN (dpa) / TRIER – Trotz hoher Kosten für Herstellung und Verteilung wollen die deutschen Banken Bargeld im täglichen Zahlungsverkehr nicht zurückdrängen. „Wenn der Kunde mit Bargeld zahlen möchte, sehen wir es nicht als unsere Aufgabe an, ihn davon abzubringen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. So gebe es auch keinen Rückgang bei der Zahl der Geldautomaten. Dagegen sinke die Zahl der Bankfilialen weiter.

„Das ist bei uns anders als in den skandinavischen Ländern: Die Leute lieben das Bargeld, sie zahlen gerne noch mit Scheinen und Münzen – das hat in Deutschland eine kulturelle Tradition“, stellte Kemmer fest. An Kassen und Automaten werde noch überwiegend bar bezahlt. „Das sind nach aktuellen Zahlen 78 Prozent der Transaktionen, die noch bar abgewickelt werden und über 50 Prozent des Umsatzes.“

Das Filialnetz der Banken wird nach Einschätzung Kemmers „weiter ausdünnen“. „Wir haben derzeit knapp 32 000 Filialen in Deutschland, 1997 waren es mehr als 60 000.“ Die Hauptursache dafür sei das Kundenverhalten und die Digitalisierung, ein weiterer Grund die Kostenstruktur. „Wir stellen fest, dass Filialen weniger besucht werden, wir stellen aber auch fest, dass fast die Hälfte der Kunden mindestens einmal pro Monat in die Filiale ihrer Bank geht.“

Kemmer nannte die Sorge älterer Menschen, künftig Bankgeschäfte nur noch online machen zu können, unbegründet. „Das wird sich allerdings auch auswachsen“, argumentierte der Bankenlobbyist. „Schon heute ist die Generation der 60-jährigen mit Online-Banking vertraut. In 20 Jahren wird keiner mehr kommen und sagen ‚Oje, jetzt kann ich nur noch Online-Banking machen‘, dann ist die digitale Welt für jeden selbstverständlich.“

Statistik Bankenverband: Zahl der Geldautomaten in Deutschland 2001-2015

Quelle: dpa-Meldung in Trierischer Volksfreund

 

1. August: “Kunden hören nicht mehr einfach auf den Verkäufer”

Der Rückversicherer Munich Re will bei seiner Tochter Ergo insgesamt 1.800 Stellen abbauen. Mehr als die Hälfte davon sei bereits realisiert, sagte der neue Unternehmenschef Joachim Wenning im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Dies sei schmerzhaft, aber “leider notwendig”. Cash-online berichtet weiter mit Zitaten aus dem Interview:

“Ergo hat rund 28.000 Mitarbeiter, wir sind also weit davon entfernt, die Belegschaft um die Hälfte zu reduzieren”, sagte Wenning in der “Süddeutschen”. Mit dem Umbau soll die Ergo für die digitale Welt fit gemacht werden. Die Pläne sehen vor, dass der eigene Vertrieb deutlich gestrafft und das Online-Angebote ausgebaut wird.

Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung zeigte sich Wenning im Interview vorsichtig optimistisch für die traditionellen Versicherer: “Was das Verhältnis zwischen Verbraucher und klassischem Vermittler angeht, denke ich, dass die persönliche Vermittlung durch Vertreter und Makler noch eine ganze Zeit lang das dominierende Modell bleibt.”

Wenning glaubt, dass der digitale Markt wächst, auch wenn er den vermittelnden Markt nicht ersetzt. “Aber wir erwarten auch, dass innerhalb des traditionellen Marktes die Kunden nicht mehr einfach auf den Verkäufer hören und kaufen, sondern ‘hybrid’ vorgehen, also vor und nach dem Kauf online recherchieren”, so Wenning in der Süddeutschen. (kb)

Quelle: cash-online

 

2. August: Makler kritisiert Getsurance-Angebot

KARLSRUHE – Geht Schnelligkeit über alles? Während Online-Angeboten wie Getsurance den Abschluss in wenigen Klicks versprechen, rät Versicherungsmakler Gerd Kemnitz in versicherungswirtschaft-heute.de beim Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen zu Bedacht. Warum er den klassischen Versicherungsmakler gegenüber dem Insurtech im Vorteil sieht, erklärt er in seinem Kommentar:

„Ist es wirklich wichtig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung innerhalb weniger Minuten abschließen zu können? Viel wichtiger ist doch, dass ein abgeschlossene BU-Vertrag zuverlässig umfassenden Schutz bietet – und das ist bei ‚Job Basic‘ und ‚Job Comfort‘ keinesfalls gegeben. Ich frage mich auch etwas besorgt, was die hochtrabende Bezeichnung ‚Comfort‘ für einen Tarif bezwecken soll, der die Hauptursache einer Berufsunfähigkeit (psychische Erkrankungen) grundsätzlich ausschließt?

Selbst der Tarif ‚Job Premium‘ hat erhebliche Mängel im Vergleich zu empfehlenswerten analogen BU-Tarifen. Besonders negativ fallen dabei die ansonsten unüblichen Leistungsausschlüsse auf, die in den Versicherungsbedingungen teilweise nicht  einmal abschließend aufgeführt sind. Kritiker könnten denken, der Versicherer benötigt etwas Spielraum in der Leistungsprüfung.

Außerdem zeigt sich im Praxistest, dass Getsurance einem Interessenten schon einen echten BU-Schutz verwehrt, wenn er innerhalb der letzten fünf Jahre vier Wochen verschreibungspflichtige Medikamente (z.B. wegen Heuschnupfen oder leichtem Bluthochdruck) eingenommen hatte. In diesem Fall wurde nur noch Schutz infolge eines Unfalls angeboten.

Wenn das der Vorteil der digitalen Berufsunfähigkeitsversicherung sein soll, dann ziehe ich den klassischen Risikoprüfer vor. Dieser braucht mit seinem Sachverstand zwar etwas länger, kann aber auch in solchen Fällen noch brauchbaren BU-Schutz anbieten.“

Quelle: versicherungswirtschaft-heute.de

 

3. August: Bargeldloses Zahlen weltweit auf dem Vormarsch

LÜBECK – „Auch wenn es einige noch nicht glauben wollen. Wir steuern rapide in eine Welt ohne Bargeld. Zwar werden aktuell weltweit immer noch 85% der Waren mit Cash bezahlt, aber laut ‚Business Insider‘ sollte in den nächsten Jahren bargeldloses Zahlen um jährlich 80% ansteigen und Bargeld mehr und mehr aus den Kassen und Geldbeuteln verschwinden.“ So sieht die nebenwerte Online-Redaktion die Zukunft des Bargelds. Weiter heißt es dort:

„Getrieben wird der Trend vor allem durch ein verändertes Konsumverhalten. Immer mehr Produkte werden online erworben und somit mit einer Kreditkarte also bargeldlos bezahlt. Aber auch ständig verbesserte Technologien führen dazu, dass Münzen im Geldbeutel immer unwichtiger werden.

Das Mobiltelefon und die dazu entwickelten Technologien dienen hier als Katalysator. Schon heute aber vor allem in Zukunft wird vieles mit einer Telefon App bezahlt. Zwar gibt es einige, die davor warnen, das Bargeld abzuschaffen, aber die Vorteile von bargeldlosem Zahlen überwiegen. Für den Konsumenten ist es vor allem schneller, sicherer und einfacher. Unternehmen müssen müssen weder Cash lagern, transportieren noch zählen. Weniger Bargeld könnte die Kriminalität reduzieren sowie Steuerhinterziehungen bzw. Schwarzgeldzahlungen deutlich erschweren.

Allerdings werden aktuell immer noch 80% der Einkäufe mit Cash getätigt. Dies sollte sich aber in den nächsten Jahren deutlich ändern. Ein Zeichen hin zum bargeldlosen Zahlen ist, dass es mittlerweile auch bei Discountern wie Aldi oder Lidl möglich ist, mit Kreditkarte zu bezahlen. Diese hatten sich lange gegen die Einfuhr einer solchen Bezahlmethode gewehrt. Und auch technologische Neuerungen wie kontaktloses Bezahlen an Kassenterminals vereinfachen die Bedienung und erhöhen dadurch den Karteneinsatz.“

Quelle: nebenwerte-online.de

 

4. August: Warum Vermittler anders ersetzt werden als sie denken

HAMBURG – Werden RoboAdvice und Online-Vertrieb den Vermittler in seiner heutigen Arbeitsweise ersetzen? Ein klares Nein darauf gibt es von Oliver Pradetto (blau direkt) auf procontra-online.de. Seiner Auffassung nach ist es gar nicht nötig, die heutige Arbeitsweise von Vermittlern kopieren zu wollen. Weiter schreibt er dazu in seinem Gastkommentar:

„Unübersehbar hält die Technik Einzug in unsere Branche und droht, den Vermittler zu ersetzen. Diese tun sich wahrlich schwer mit dem Glauben an die eigene Ersetzbarkeit. ‚Bin ich so verbohrt‘, fragt etwa ein Makler auf Facebook. Versicherungen würden doch verkauft und nicht gekauft. ‚Sehe ich das falsch?‘ Tatsächlich geht es nämlich nicht um die Frage, ob die Technologie die Tätigkeiten des Maklers übernehmen kann oder nicht. Vielleicht wäre das möglich, aber warum sollte das überhaupt versucht werden?

Die in einer Beratung vollzogene Informationsübermittlung ist im klassischen Verkaufsprozess notwendig, um das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und anschließend ein Bedürfnis des Kunden zu erzeugen. Hier liegt der Schlüssel zu einem technologie-getriebenen Paradigmenwechsel. Bin ich nicht gezwungen, Vertrauen und Bedürfnis herzustellen, entfällt die Notwendigkeit des Informationstransfers. Dass das grundsätzlich möglich ist, kennt jeder Vermittler, wie ein praktisches Beispiel zeigt: Hat beispielsweise ein vertrauter Kunde ein Kind bekommen; will das Neugeborene versichern ruft er oft den Makler an und bittet: ‚Ach, sag einfach was ich machen soll. Ich unterschreibe Dir das.‘

Wenn das Vertrauen gegeben und ein Bedürfnis vorhanden ist, erspart sich der Kunde liebend gern die Beratung. Er will keinen Informationstransfer. Er will (nur) eine Lösung.“

Autor: Oliver Pradetto / Quelle: procontra-online.de

 

FAZIT: „Der Mensch ist immer noch der beste Computer.“

John F. Kennedy

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