7x7finticker: der Wochenrückblick 17.-21. Juli

21 Juli 2017 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der Wochenrückblick 17.-21. Juli 2017 – präsentiert von der 7x7finanz

Thema der Woche: Von der Zinswende zur Zinsklemme

Leitgedanke:

Einen Pfennig an Christi Geburt zu 4,5% Zins auf die hohe Kante gelegt, wäre heute zu einer Sextillion Mark, eine 1 und 36 Nullen, angewachsen. Das entspräche einem Goldwürfel mit der Kantenlänge des Erddurchmessers! (unbekannt)

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17. Juli: Kommt der Zins zurück? Argumente für und gegen die Zinswende

BERLIN – „Der Zins meldet sich vorsichtig zurück in unserm Wirtschaftsleben. Selbst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss für Kredite wieder bezahlen statt noch daran zu verdienen. Kommt endlich die Zinswende?“ fragt die Berliner Zeitung und nennt die wichtigsten Argumente dafür und dagegen. Weiter heißt es dort:

„So paradox es klingt: Den stärksten Hinweis darauf gab ausgerechnet  EZB-Präsident Mario Draghi, dem das hierzulande viele am wenigsten zutrauen. In einer  Rede vor drei Wochen im portugiesischen Sintra äußerte sich Draghi zuversichtlich, dass die konjunkturelle Erholung in der Euro-Zone in Zukunft auch die Preissteigerung wieder antreiben werde. Und er sprach von der Möglichkeit, die Geldpolitik „graduell“ anzupassen. Dies verstanden Börsianer als Ankündigung, die umstrittenen Anleihekäufe weiter zu reduzieren und irgendwann einmal auch die Zinsen wieder zu erhöhen. Zwar ruderte die Europäische Zentralbank (EZB) danach wieder zurück. Sie ließ vernehmen, dass Draghi überinterpretiert worden sei. Dennoch zeugen dessen Worten davon, dass sein Nein zu einem Ausstieg vom jetzigen Kurs nicht mehr so fest steht. Am Donnerstag wird Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates in einer Pressekonferenz mehr über seine Absichten verraten müssen.“

Quelle: berliner-zeitung.de

 

18. Juli: Wenn Ma­rio Draghi ei­ne Re­de hält …

KÖLN – Wenige Worte des EZB-Chefs reichten, um die Anleihe- und Währungsmärkte in Unruhe zu versetzen. Kommt nun die von vielen erwartete Zinswende? fragt Philipp Vorndran und liefert auf flossbachvonstorch.de eine Analyse:

„Notenbanker sind mächtige Zeitgenossen. Das Schicksal von Banken, Sparern, Schuldnern, Gläubigern und ganzen Staaten liegt in ihren Händen. Gleiches gilt für den Euro, der nur durch die Tiefzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen gehalten werden kann.

Die Investoren wissen also, was auf dem Spiel steht, sollten die Notenbanken die Politik des billigen Geldes irgendwann beenden. Schon die kleinste Andeutung kann deshalb zu erheblichen Irritationen an der Börse führen. Das zeigte etwa die Äußerungen von Mario Draghi am 27. Juni. Der EZB-Chef hatte auf einer Konferenz im portugiesischen Sintra gesagt, dass die Geldpolitik beginne, Inflationsdruck zu erzeugen.

In den Medien (und von einigen Investoren) wurden die Aussagen bereits als Ende der lockeren Geldpolitik gedeutet. Die Aktien- und Anleihekurse gerieten daraufhin unter Druck, der Euro legte gegenüber anderen Währungen zum Teil deutlich zu. Mario Draghis Worte wurden von Investoren als Einstieg in den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik interpretiert. Anleiherenditen zogen merklich an und auch der Euro wertete kräftig auf. Einschränkende Aussagen wurden dagegen weitgehend ignoriert – etwa der Hinweis des EZB-Chefs, dass die Geldpolitik die Wirtschaft weiter unterstützen müsse, weil die Arbeitslosigkeit in der Eurozone in Wahrheit höher sei, als es die offiziellen Statistiken aussagten. (…) Eine Zinswende, die den Namen auch verdient, wird es unseres Erachtens nicht geben.“

Autor: Philipp Vorndran, Quelle: flossbachvonstorch.de

 

19. Juli: Eine Kreditblase von ungekannter Größe

BERLIN – Nachdem die EZB eine Politikänderung angedeutet hat, herrscht Aufruhr. Doch die Anleihepreise brechen nicht zusammen. Noch nicht. Die Zinswende ist so unwahrscheinlich, wie ein Wachsen des Schuldenbergs sicher ist. Das schreibt Autor Christof Schürmann, nachzulesen in der Wirtschaftswoche. Weiter heißt es dort:

Das Wort „Blutbad“ macht an den Märkten die Runde, seit Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), angedeutet hat, ein Ende der ultralockeren Geldpolitik könne bevorstehen. Ultralocker, das bedeutet: Der EZB-Leitzins liegt bei 0,00 Prozent, der Einlagenzins für Banken bei minus 0,4 Prozent. Und die Notenbank kauft für 60 Milliarden Euro im Monat Euro-Anleihen auf, was deren Renditen in Richtung Nullmarke drückt.

Ultralocker also – bis jetzt? Nachdem Draghi von einer „Normalisierung“ der Geldpolitik sprach, sackten die Kurse binnen einer Woche um 1,9 Prozent, die von italienischen Staatsanleihen um drei Prozent. Ist das der Vorbote einer großen Zinswende, der Anfang vom Ende der Kredit- und Anleiheblase? „Das erscheint uns übertrieben“, sagt Sebastian Sachs, Kapitalmarktspezialist vom Bankhaus Metzler in Frankfurt.

Autor: Christof Schürmann, Quelle: www.wiwo.de

 

20. Juli: Wann steigen die Zinsen wieder?

AUGSBURG – Vor der Sitzung der Zentralbank macht das Wort der „Zinswende“ die Runde. Die Augsburger Allgemeine spekuliert darüber, „wann wirklich damit zu rechnen ist und was das für Sparer und Häuslebauer bedeutet“:

„Augsburgs Bankkunden erleben eine verkehrte Welt. Wer über das Portal Smava in Berlin einen 1000-Euro-Kredit nimmt, erhält sechs Euro geschenkt. Umgekehrt müssen Sparer mit sehr viel Geld bei einigen Instituten bereits Strafzinsen zahlen. Nun macht allerdings auch hierzulande das Wort der ‚Zinswende‘ die Runde. Grund ist die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Reißen EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen bald das Ruder herum und heben die Zinsen an? Viele Bankfachleute machen Druck. Es sei ‚Zeit für den Ausstieg‘ aus der ultralockeren Geldpolitik forderte unlängst zum Beispiel Wolfgang Kirsch, Chef der genossenschaftlichen DZ-Bank.“

Quelle: augsburger-allgemeine.de

 

21. Juli: EZB ist in der Klemme

FRANKFURT (KÖLN) – „Die Europäische Zentralbank ist seit langem unter wechselnd heftigem Beschuss aus Deutschland. Ökonomen und Politiker fordern von der EZB einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Doch auch am Donnerstag hielt die Zentralbank Kurs und machte nicht die kleinste Andeutung eines Richtungswechsels. Denn die EZB ist in der Klemme. Die vorliegenden Daten wollen nicht so recht zusammenpassen.“ Das meint Stephan Kaufmann und führt weiter aus:

„Problem der EZB ist die Entwicklung der Maßzahl, um die sie sich kümmern soll: die Inflationsrate. Sie liegt seit Jahren unterhalb des EZB-Zielwerts, und es gibt derzeit laut Draghi ‚einfach keine überzeugenden Anzeichen dafür, dass sie steigt‘. Für eine nachhaltige Erhöhung der Teuerung müssten die Löhne in Europa stärker steigen. Doch das geschieht nicht. Das ist rätselhaft. Denn nach gängigen ökonomischen Modellen führt eine sinkende Arbeitslosenrate zu höheren Löhnen und damit zu mehr Nachfrage und damit zu höheren Preisen. Der Zusammenhang scheint gebrochen.

Warum steigen die Löhne nicht stärker, trotz Aufschwung? Die Antwort liegt in einem Trend, der Flexibilisierung oder Prekarisierung genannt wird: Jobs entstehen, aber sie sind von ‚geringer Qualität‘, so Draghi. Es sind befristete oder Teilzeitstellen – Jobs, die eher schlecht bezahlt werden, die die Kaufkraft nicht erhöhen und damit nicht die zahlungsfähige Nachfrage und nicht die Inflationsrate.

Ein vorübergehendes Phänomen? Oder hat die Schwächung der Position der Arbeitnehmer – Stichworte Globalisierung, Lohnzurückhaltung, Digitalisierung – zu einem Strukturbruch geführt? Die Antwort steht noch aus.“

Autor: Stephan Kaufmann / 21.07.17, 02:01 Uhr – Quelle: koelner-stadtanzeiger

 

FAZIT: Warum auf die Zinswende warten, wenn woanders schon die Zinsen warten?

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